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Führung heute - Komplexität handhaben
10.10.2017 12:10
von Ira Rueder

Führung heute - Komplexität handhaben

ACADEMY 4 EXCELLENCE  |  Agile. Individual. Leadership. Coaching.

Computer, Tablets und Smartphones: Als sie anfingen, den Markt zu erobern, konnte sich kaum einer vorstellen, wie sie unsere Arbeitswelt verändern würden. Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen. Doch der Trend weist eindeutig in eine Richtung: Die Komplexität steigt. Wie können wir sie handhaben?

7 Tipps, um sie handhabbar zu machen
1. Flexibilität

Mehr und mehr arbeiten Mitarbeiter im Homeoffice, unterwegs oder in einem Workspace – wo und wann immer sie wollen. Sie schätzen die Autonomie und die Möglichkeit, Arbeit und Familie zu vereinen.

Zugleich schafft die Vermischung von Arbeit und Privatleben neuen Stress. Die ständige Erreichbarkeit ist ein vielfach diskutiertes Stichwort.

 

Tipp: Nicht die Anwesenheit am Arbeitsplatz zählt. Wenn wir uns auf das Ergebnis konzentrieren, sinkt die Komplexistät, weil wir uns nicht für verschiedene Ziele aufreiben. Als Führungskraft sollten Sie dies eindeutig kommunizieren und Ihren Mitarbeitern Vertrauen und Autonomie gewähren.

2. Demokratisierung

Der Trend ist unübersehbar: Hierarchien werden abgebaut. Zugleich wächst langsam, aber stetig die Demokratisierung in den Unternehmen.

Einige Unternehmen etwa lassen Mitarbeiter über die Verteilung von Führungsaufgaben abstimmen. Andere Unternehmen übertragen die Führungsverantwortung projektweise – abhängig davon, wer für ein Projekt und die konkrete Aufgabe am meisten qualifiziert ist.

Die Digitalisierung geht Hand in Hand mit einer Demokratisierung, das erwarten Experten: Mit Hilfe der Technik können mehr Menschen an Entscheidungen teilnehmen. Viele Mitarbeiter finden die Mitbestimmung attraktiv. Die Befürworter hoffen auf mehr Motivation, Innovationskraft und eine stärkere  Arbeitgebermarke. Zugleich besteht das Risiko, dass Entscheidungen mit der Vielzahl von Entscheidungsträgern zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Tipp: Je demokratischer das Umfeld, umso stärker ist die Bedeutung des lateralen Führens: Kennzeichen sind Verständigung und Verständnis, Fördern von Vertrauen, Gewähren von Gestaltungsmöglichkeiten, Entwickeln eines gemeinsamen Denkrahmens und ein tragfähiger Interessenausgleich.

Wo Führungskräfte nicht mehr auf institutionalisierte Macht bauen können, profitieren sie von persönlicher Autorität, Integrität sowie gezieltem Networking. Doch was bedeutet Komplexität handhaben in diesem Zusammenhang? Entscheidungsszenarien werden immer unübersichtlicher. Für Führungskräfte wird es immer schwieriger, einsame Entscheidungen zu treffen. Die Last können sie nun auf mehrere Schultern verteilen – im Austausch zu der Aufgabe, Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen.

3. Globale Zusammenarbeit

Globale Zusammenarbeit ist heute Alltag. Experten und Knowhow über Ländergrenzen hinweg an einen virtuellen Tisch zu bringen, kostet ein paar Mouseklicks.

Die Herausforderungen liegen auf einer anderen Ebene: Die Kommunikation in einem heterogenen, multikulturellen Team ist schwieriger, die Chancen zur Kontrolle sinken, Motivation und Koordination erfordern einen hohen Aufwand.

Tipp: Schulen Sie Ihre kulturelle Kompetenz. Die Unterschiede zwischen den Kulturen liegen etwa in der so empfundenen Machtdistanz zwischen Führungskraft und Mitarbeiter, Leistungs- oder Sozialorientierung, äußern von Kritik und der Akzeptanz von Nachfragen.

Hinzu kommt die Fähigkeit, eine verbindliche und vertrauensvolle Kommunikation im virtuellen Raum zu gestalten.

4. Stärkere Vernetzung im Inneren

Auch im Inneren der Unternehmen steigt die Vernetzung. Die Mitarbeiter tauschen sich aus. Es entsteht ein Mehr an gleichzeitiger Kommunikation.

Auf der einen Seite steigt die Transparenz, Informationen werden verfügbar. Mit steigender Vernetzung können Mitarbeiter die Komplexität handhaben, indem schnell bei der richtigen Person nachfragen können, wenn sie eine qualifizierte Information brauchen. Auf der anderen Seite erhöht sich der Stresslevel durch laufende Unterbrechungen und die Zeit, die Mitarbeiter für die Kommunikation aufwenden.

Tipp: Treffen Sie Vereinbarungen für Ihre Kommunikationskultur. Wann ist es zum Beispiel besser, eine E-Mail zu schreiben als anzurufen? Auf welche Antwortzeiten legen Sie sich fest?

In der Digitalisierung haben wir zahlreiche Kommunikationskanäle zur Verfügung. Wir müssen lernen zu entscheiden, wann welcher Kanal der richtige ist.

5. Projektarbeit

Die Projektarbeit ist weiter auf dem Vormarsch. Überall in den Unternehmen kommen Angestellte und Freiberufler zusammen.

Für die Mitarbeiter wird die Arbeit flexibler. Zudem haben sie mehr Kontrolle über ihre Aufgaben und nehmen ihre Arbeit tendenziell als sinnvoller wahr. Problematisch sind ein höherer Leistungsdruck, weniger Zusammengehörigkeitsgefühl sowie eine geringere Arbeitsplatz- und Einkommenssicherheit.

Tipp: Gute Projektarbeit lebt von Vertrauen, Zusammengehörigkeitsgefühl und Loyalität. Nur unter diesen Bedingungen gelingt der Wissensaustausch.

Mögliches Hierarchiedenken steht dem eher im Weg. Führungskräfte müssen dem gezielt entgegen wirken.

6. Informationsverarbeitung

Der Zugriff auf Informationen ist so schnell wie nie. Sie sind unsere Grundlage für Entscheidungen. Anhand von Informationen prüfen wir unsere Maßnahmen auf Effektivität.

Die Flut an Informationen überfordert uns jedoch. Gute Ideen gehen zuweilen verloren.

Tipp: Die Frage, wie wir Komplexität handhaben, hat viel mit der Informationsfülle zu tun, der wir ausgesetzt sind. Mitarbeiter sollten Zugang zu Informationen haben und zugleich Unterstützung darin bekommen, mit großen Informationsmengen umzugehen.

7. Automatisierte Entscheidungsfindung

Serious Games etwa erlauben die Simulation unterschiedlicher Szenarien. So können Entscheidungen sicherer fallen und Ressourcen geschont werden. Ein anderes Beispiel ist die Vergabe von Krediten.

Wenn die Software die Entscheidung fällt, haben Mitarbeiter weniger Kontrolle über ihre Arbeit. Sie fragen sich, worin ihre Bedeutung liegt.

Tipp: Automatisierte Entscheidungen vereinfachen uns das Leben. In vielen Fällen sind sie ethisch fragwürdig. Damit sich Mitarbeiter nicht bedeutungslos fühlen, sollten Führungskräfte deren Aufgaben und Verantwortungsbereiche prüfen.

Quelle: Schwarzmüller, Tanja, Brosi, Prisca, Welbe, Isabell: Führung im digitalen Zeitalter, Handelsblatt Fachmedien, http://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-09692-2_12

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